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Klein,
stark, schwarz - ZOX20 auf Mallorca , ein Bericht von Oliver Zechlin
Im mittlerweile dritten Jahr in Folge verbrachten wir, wir das sind eine
Handvoll Freunde die entweder Triathlon betreiben oder Lizenzrennradfahrer
sind, drei Wochen (23.2.-13.3.) auf Mallorca, zum dritten Mal im ****-Hotel
Playa de Muro im Nord-Westen der Insel bei Alcudia, gebucht beim "Bicycle-Team
Max Hürzeler" (*1). Leistungs- und radtechnisch passe ich so gar nicht
dazu. Weder habe ich jemals einen Leistungstest gemacht oder gestalte
meinen Tag wie es der Trainingsplan vorgibt, noch ist mein Fahrrad gewichtsmaesig
kompatibel - für mein ZOX20 bekäme ich zwei Rennräder der 7.5kg-Klasse.
Die Tage vor dem Abflug gestalteten sich für meinen Chef-Schrauber Peter
Keller einigermassen chaotisch, hatte er doch die leidige Aufgabe meinen
kurz vorher angelieferten nackten Rahmensatz aufzubauen.
So ergab es sich dass mein neuer Tieflieger, ohne einen Meter gefahren
zu sein, seinen Platz im Radkarton den Tag vor Abreise einnahm.
Konfiguration
ZOX20 custom-made Z-frame Tiefliegerrahmen aus Stahl, heckgefedert, schwarz
pulverbeschichtet. Sitzhöhe 25cm, Sitzwinkel 40°, Radstand 1.15m
ZOX FWD-Gabel
ZOX Umlenkrollen- und Abdeckung
Flux Glasfaser-Schalensitz mit Kantenschutz
ZOX Schalensitz-Auflage
Challenge Klapp-Lenker-Einheit
Velocity Felgen (36 Loch) mit Ritchey Felgenband
Conti-Schlaeuche 37-406
Rödel Messerspeichen
Tioga Comp Pool Slicks (*2)
Shimano DX V-Brakes und Bremshebel
Shimano XT STI Schalthebel
Shimano Ultegra Innenlager & Kurbeln
Shimano Ultegra Naben (36 Loch)
Shimano Ultegra Schnellspanner
Shimano Nexave Schaltwerk
Sachs5000 Umwerfer
Shimano IG Kette
Shimano XT Kassette 11-34, 9fach
Shimano Kettenblatt 48Z
Highpath Engineering Kettenblatt 67Z (*5)
Primax Steuersatz
Speedplay FROG MTB Pedale
2 Elite Flaschenhalter
Busch & Müller Rückspiegel
Billy Klingel
Kinderfahrrad-Einkaufskorb
Pearl Izumi Satteltasche als Handyhalter
ZOX20
In obiger Konfiguration zeigte die Badezimmerwaage 15kg an. Obwohl ich
wusste das ein Stahl-Tiefflieger-Rahmen durch die notwendigen Versteifungen
etc. gewichtsmäßig auf der schwereren Seite liegt mußte ich schon erstmal
schlucken. Ich hatte komplett auf 12kg gehofft. Der Rahmen samt
Gabel, Steuersatz und montiertem Sitz wog allerdings schon rund 7kg. Sergio
Gomez von ZOX Bikes in Erlangen (*3) hat den Rahmen auf meine Körperproportionen
hin angepaßt (ich habe relativ lange Beine), und auch sonst meinen Sonderwünschen
was Ausstattungsmerkmale (z.B. Anlötteile) betraf entsprochen. Die Verarbeitungsqualität
ist sehr gut. Die Schweißnähte sind optisch ansprechend. Die schwarze
Pulverbeschichtung macht einen sehr guten Eindruck. Wünschen würde ich
mir noch ein zusätzliches Anlötteil zur Fixierung des hinteren Bremszuges.
Da der komplette Antrieb auf das Vorderrad konzentriert ist arbeitet die
Elastomer-Hinterradfederung unauffällig und ohne Einfluß auf den Antriebsstrang.
Der Frontantrieb als solcher ist unkompliziert zu handhaben. Das Fahrradfahren
muß anders als bei frontgetriebenen Knicklenkern nicht neu erlernt werden.
Auch blutige Anfänger sind mit meinen bisherigen ZOX-Rädern problemlos
zuruechtgekommen, was Fahrverhalten als auch Art des Antriebs betrifft.
Da beim Fahren ein nur sehr geringer Lenkeinschlag nötig ist, ist die
Kettenverwindung kein Problem - allenfalls bei langsam gefahrenen engen
Serpentinen-Rechtskurven, oder speziell beim Schieben des Rades macht
sich der eingeschränkte Lenkradius bemerkbar. Selbst im Innenstadtverkehr
komme ich gut damit zurecht. Auch Bergfahrten sind kein Problem hinsichtlich
durchdrehendem Vorderrad, bislang bin ich jeden als Straße ausgewiesenen
Weg fahrend hochgekommen. Selbst 18%er im Altmühltal machten bei (trockenem)
Wetter kein Probleme. Spezifische Vorteile des Frontantriebs sind auf
der ZOX-Website nachzulesen. Für mich der praktischste Vorteil: die nicht
vorhandene "rumschlabbernde" Kette was den Transport vereinfacht; ich
ziehe ein altes Betttuch über den Vorderteil des Rades der alle öligen
Teile beherbergt und lege das Rad in das Auto. Auch der Transport im Flugzeug
oder der Bahn vereinfacht der Frontantrieb. Ein "entzweibarer" Rahmen
ermöglicht ein kleineres Packmaß. Die Fahreigenschaften meines jetzigen
und aller bisherigen (dies ist #3) ZOX-Liegeräder sind ohne Tadel. Im
Vergleich zu vielen anderen von mir Probe gefahrenen Rädern zeichnen sie
sich durch unkomplizertes Verhalten, auch im Grenzbereich, aus. Der custom-made
Z-frame, heckgefedert, inkl. Gabel, Steuersatz, Umlenkrollen und Pulverbeschichtung
liegt preislich um die 800 Euro.
Technik
Wie eingangs erwähnt, das Rad kam - unbeschädigt - mit 0km auf dem Flughafen
in Palma de Mallorca an - so daß Komplikationen nicht ausbleiben konnten.
Bei der ersten Ausfahrt machte der Umwerfer Probleme, die Kette verhakte
sich an der Käfigschraube (mit Klebeband um die Schraube behoben), der
Käfig verhakte sich am grossen Blatt, die Kette fiel ab. Alles Sachen
die Chef-Schrauber Peter in den Griff bekam. Wieder in Deutschland wird
der Sachs5000 wohl durch eine modifizierte Version von Zach Kaplan (*4)
aus den USA ersetzt - mit entsprechend angepasstem Käfig und der
Möglichkeit vorne doch wie ursprünglich geplant drei Kettenblätter
einzusetzen. Die von Zach modifizierten Käfige verkraften einen Sprung
von 42 Zähne Differenz. Nach dem Umrüsten von 2- (48-67) auf 3-fach Kettenblatt
(30-48-67) wird auch die 9fach MTB-Kassette 11-34 gegen eine Rennrad-Kassette
11-25 getauscht um eine engere Abstufung zu erhalten.
Das 67er Kettenblatt von Chris Bell aus England (*5) war das größte das
ich im Rennradkurbelmaß bekommen konnte. Trotz fehlender Steighilfen ist
die Schaltqualität akzeptabel. >70 Pfund für ein Kettenblatt sind allerdings
schon sehr nahe der finanziellen Schmerzgrenze. Die 14-Gang-Rohloff-Nabe
war zum benötigten Zeitpunkt noch nicht erhältlich.
Bei Touren mit schnellen Abfahrten wie ich sie hier auf Mallorca vorgefunden
habe würde ich statt der V-Brakes eine Scheibenbremse (z.B. Magura Luise)
vorziehen. Ein etwas mulmiges Gefühl hatte ich bei den ständigen Bremsungen
schon, wegen der Gefahr der Felgenüberhitzung und des dann eventuellen
Schlauch-Platzens durch Felgenbremsen und kleinen Laufrädern.
Die australischen Felgen Velocity Aeroheat AT aus Australien würde ich
nicht noch einmal wählen. Aus mir unverständlichen Gründen sind die Speichenlöcher
gerade durchgebohrt was dazu führt das die Speichen extrem zur Nabe hin
abknicken. Auf meiner Wunschliste an die Industrie: leichte, geöste 406er
Felgen mit Ceramic-Beschichtung.
Empfehlen kann ich die aufgezogenen Tioga Comp Pool Slick Reifen (47-406),
90PSI. Im Vergleich zu den sonst gefahrenen dünnen Conti GPs fühlte ich
mich subjektiv mit den dickeren Schlappen sicherer. Ian Sims aus Australien
(Fa. Greenspeed) hat in Rollversuchen sogar einen geringeren Rollwiderstand
der Tiogas i.Vgl. zu den Conti GPs festgestellt. Einen Platten konnten
die dicken Slicks aber auch nicht verhindern, ein Dorn bohrte sich durch
die Lauffläche. Ungünstig wirken sich die breiten Mäntel auf den Frontantrieb
aus, der rechtsseitige Lenkradius wird etwas verringert, des weiteren
ist das Nexave Schaltwerk auf dem 34er Ritzel schon beängstigend nahe
am Gummi. Ich denke ich werde mittelfristig auf Conti TT2000 umsteigen,
ein Kompromiss aus Rollwiderstand und Fahrsicherheit. Bereifung hat auch
einen Einfluß auf die effektive Sitzhöhe, mit ContiGPs könnte ich die
Sitzhöhe um ca. 2 cm absenken. Sofern es der Rahmen erlaubt würde ich
jederzeit wieder Tiogas einsetzen.
Ob ich am Lenker eine Änderung vornehme ist noch nicht geklärt. Eigentlich
ziehe ich ich die gestreckte-Arme-Position vor, der kurze Hebel und die
Hände auf Steuerrohrhöhe sind ein Plus in Sachen Fahrsicherheit, ausserdem
ist dieses Fahrposition für mich sehr bequem. Der derzeit montierte Challenge
(z.B. Wizard20) Klapplenker hat den Vorteil der freien Sicht nach Vorne.
Allerdings ist zum Einen die Armhaltung auf Dauer etwas verkrampft (kein
grosses Problem, einfach mal Arm ausstrecken und alles ist wieder o.k.),
und zum Anderen durch den grossen Hebel eine gewisse Gefahr was Überreaktion
in kritischen Situationen angeht gegeben. Ähnlich wie beim Untenlenker
ist die Arme-an-Körper-Haltung nicht gerade der Luftzirkulation unter
den Achseln förderlich, ebenso ist der Luftwiderstand etwas schlechter.
Mallorca
Selbst bei meinem dritten Rad-Urlaub im Nord-Westen der Insel konnte
ich immer noch bisher ungefahrene Strecken erkunden. Das Terrain ist sehr
abwechslungsreich, flache Stücke sind jedoch eher rar gesät, eine bergtaugliche
Schaltung ist notwendig. Was bei dem Gros der hier verbrachten Tage auch
ein treuer Begleiter war ist der Wind, der teilweise unangenehm stark
und böig ist. Mit meinem Tieflieger hatte ich hier natürlich einen grossen
systembedingten Vorteil gegenüber all den aufrechten Radlern. Die Autofahrer
sind auf die Jahreszeit mit den Heerscharen von Radfahrern eingestellt
und fahren meist sehr rücksichtsvoll. Meine einzige beinahe-Kollision
war mit einem Auto mit deutschem Kennzeichen dessen Fahrer meinte mich
beim Einfahren in den Kreisverkehr mit 45km/h noch überholen zu müssen.
Seit neuestem ist das Fahren in Zweierkolonne verboten, wird aber nach
wie vor praktiziert und wohl von der Polizei locker gehandhabt. Wettermäßig
hatten wir 1999 mehr Glück als vergangenes Jahr, dieses Jahr gab es keinen
einzigen Regentag. Temperaturmäßig muß man sich im Februar und März aber
auf alle Fälle noch auf lange Bekleidung einstellen. Obwohl es oft sonnig
war habe ich die morgens angezogenen Ärm- und Beinlinge den ganzen Tag
angelassen. Orientiert habe ich mich meist anhand der "Radsportkarte Mallorca"
die im mitgebuchten Radsportpaket des Veranstalters enthalten war. Ich
freue mich schon wieder auf die nächste Radreise auf die Hausfraueninsel.
Zipperlein
Obwohl mit nahezu keinen Kilometern in den Beinen angereist, hatte ich
dieses Jahr mit keinen Beschwerden (97: Knie, 98: Achilles-Sehne) zu kämpfen.
Die erste Tage machte sich wieder der Gluteus Maximus bemerkbar, aber
diese spezielle Art von Liegerad-Muskelkater war nach 4 Tagen wieder abgeklungen.
Meist bin ich alleine gefahren, was für mich weniger Belastung bedeutet
als mit Rennradlern in der Gruppe, denn so kann ich mein Tempo fahren
und muß mich nicht an eine andere Fahrdynamik anpassen. Bei Gruppenfahrten
habe ich meist die Schlußlichtposition und lasse mich im Windschatten
mittreiben, was bedeutet das die Beine sehr oft unbewegt am Pedal hängen.
Bewährt hat sich, nach US-Vorbild, die Einnahme von "Ibuprofen"-Tabletten
(Aspirin-Variante) zum Abendessen um Muskelkatersymptome zu lindern.
Auch das warmhalten der Knie und der Wadenmuskulatur hat m.E. geholfen
Probleme zu vermeiden. Leider hat mich Anfang der dritten Woche ein Magen-/Darminfekt
daniedergestreckt, so daß ich den Rest der Woche krank daniederlag und
die vorgenommene Bergetappe (2300HM) - den "Küsten-Klassiker" von Alcudia
nach Andtrax - ausfallen lassen musste und mit 1341km in den Beinen heimflog.
Akzeptanz
Die "Anerkennung" der Rennradler hat sich Jahr für Jahr gesteigert. Das
Interesse, vor allem von den über 30ig-jährigen, hat zugenommen - es wurde
beinahe jedesmal auf Artikel in der "TOUR" verwiesen und auf den Wunsch
es bequem "krachen zu lassen". Trotzalledem wurde nach wie vor über mich
vereinzelt "gelacht", besonders von ambitionierten Nachwuchs-Rennradlern.
"Dumme Fragen" habe ich dieses Jahr kaum über mich ergehen lassen müssen,
die gestellten Fragen waren eher differenzierter interessierter denn "ignoranter"
Natur. Ein gesundes Selbstvertrauen ist auf Mallorca aber auf alle Fälle
von Nöten. Die Einfahrt in kleine Dörfer hat oftmals einen ähnlichen Effekt
wie der Einzug eines Zirkuses mit Elefanten und Glockenspiel. In meiner
letzten Urlaubswoche habe ich noch 2 Tieflieger vorbeifahren sehen, ich
vermute es waren 2 Dallis (u.a. Guido Mertens, war letztes Jahr auch schon
hier). Ein Freund hat noch in den Bergen einen anderen Tieflieger und
zwei "normale" Liegeräder entdeckt. Dies ist m.E. der bestmögliche Werbeeffekt
für Tiefliegerhersteller - hier auf Mallorca zu Trainingslagerzeiten im
Frühjahr ca. drei Tieflieger einer Marke mit trainierten Fahrern und konformen
Trikots als Gegenpol zu den Rennradgruppen positionieren. Die TOUR-lesende
anwesende Klientel ist die Zielgruppe für sportliche Liegeräder. Liegerad-Fundis
mit ersetzt-das-Auto-Predigten würden im Rennradler-Umfeld negative Vorurteile
bestätigen.
Conclusio
Mit meinem Tieflieger lag ich wieder ganz richtig. Was mich wurmt ist
das hohe Gesamtgewicht, scheinbar Markenzeichen des Gros der Liegeräder
- und der Tieflieger im Speziellen. 15kg ist ja realistisch betrachtet
nichts aussergewöhnliches bei einem verwindungssteifen Tieflieger-Z-Frame
aus Metall, aber im Vergleich mit einem Rennrad das nicht nur sehr viel
leichter ist, sondern meistens auch die ästethische Wertung für sich entscheidet,
fange ich schon ab und zu das Zweifeln an. Zumindest solange wie ich nicht
mit Windböen und schmerzenden Körperteilen auf dem Rennrad zu kämpfen
habe... Der Wunsch nach der bezahl- und verfügbaren Kreuzotter (mittelhoher
Alltagstieflieger aus München) wird laut. Bis dahin nehme ich gerne mit
(m)einem ZOX Vorlieb. In der Zeitschrift "Mountain Bike" (3/99) wird ein
neues Verfahren zur Herstellung von Kunststoff-Rahmen (Thermoplast; gespritze
kurze Fasern ermöglichen einen in puncto Gewicht und Steifigkeit Aluminium
ebenbürdigen - aber formfreies Design) der Firma Centurion an Beispiel
eines neuen vollgefederten MTBs erwähnt. Wieviele Kreuzotter-Rahmensätze
müßten verkauft werden damit sich die Produktion der benötigten Formteile
lohnt? Vielleicht sind grosse Firmen ja durchaus interessiert hier Erfahrung
zu sammeln? In den USA ist die Firma TREK als erste grosse Fahrradfirma
in die Produktion und den Verkauf von Liegerädern eingestiegen. Ein optimierter
Carbonrahmensatz a la Kreuzotter wäre mir persönlich einen Kaufpreis von
rd. 4500 DM wert. Plus der benötigten Teile wäre man dann bei einem Komplettpreis
von ca. 6500 DM. Wenn es dann noch optional möglich wäre eine alltagstaugliche
Verkleidung anzubringen...
--
(1) D: 07033/537597 (Mallorca Activ) , A: 07242/561560 (Consul Reisen),
CH: 01/2778800 (Hotelplan)
(2) Helmut Walle, eMail walle@tu-harburg.de (3) ZOX Bikes, Inh. Sergio Gomez, Martin-Vogel-Strasse 3, D-91052 Erlangen, Samstags und auf Anfrage geöffnet, Telefon 09131-71973-21, Telefax 09131-71973-79, eMail zox@liegerad.com, URL http://www.liegerad.com/zox/ (4) Zach Kaplan Cycles, 235 Pacific Way, Muir Beach, CA 94965, USA, eMail zakaplan@earthlink.net, URL http://www.bikeroute.com/Zach/index.htm (5) Highpath Engineering, Chris Bell, UK. Telefax +44 1570 470035, eMail chrisbell@argonet.co.uk
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